Wirtschaftlicher Drive am Vierwaldstättersee

Die Innerschweiz – das ist Rütli, Vierwaldstättersee und Pilatus. Nicht nur: Die Zentralschweiz ist vor allem auch ein prosperierender Wirtschaftsraum. Seine Ingredienzien sind eine hohe Lebensqualität, gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und ein gesunder Branchen-Mix. Der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz liegt viel daran, diese Erfolgsfaktoren weiter zu stärken. Als Unternehmensplattform, wirtschaftspolitischer Akteur, Dienstleister im Exportbereich und Informationsportal leistet sie dabei ein grosses Pensum.

Wirtschaftlicher Drive am VierwaldstätterseeDie Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) befindet sich direkt bei der Kapellbrücke in Luzern, KKL und Seeanlage sind nur einen Steinwurf entfernt. Von der Reusspromenade her summt der Restaurantbetrieb und der Blick aus den Büros der IHZ auf Pilatus und Voralpen ist bestechend. Fast kommt Ferienstimmung auf. Das einladende Ambiente ist aber nur eine Seite von Luzern und Umgebung. Auch und vor allem ist die Zentralschweiz ein prosperierender Wirtschaftsraum – nicht zuletzt dank ihrem touristischen Flair. «In den letzten Jahren wuchs die Zentralschweizer Wirtschaft kontinuierlich und durchschnittlich doppelt so stark wie die gesamtschweizerische Wirtschaft», sagt Felix Howald, Direktor der IHZ. Auch der Arbeitsmarkt profitiert davon: Die Arbeitslosenquote in der Region liegt derzeit bei etwas mehr als 1 Prozent und gehört damit im binnenschweizerischen Vergleich zu den tiefsten Quoten.

Was ist das Geheimnis des Zentralschweizer Erfolgs? «Die Rahmenbedingungen stimmen hier einfach: Die Zentralschweiz bietet eine hohe Lebensqualität. Zudem punktet sie mit einer optimalen Verkehrsanbindung, mit günstigen fiskalischen Verhältnissen und einem guten Branchen-Mix», erklärt Howald. Gerade Letzteres ist ein wichtiger Innerschweizer Standortvorteil: Neben der Industrie hat sich ein starker Dienstleistungssektor herausgebildet; Medtech- und andere Spitzentechnologie-Unternehmen wechseln sich mit Finanzanbietern und weiteren Dienstleistern ab. Diese Heterogenität der Branchen ist gesund und verhindert, dass die Zentralschweizer Wirtschaft einem Klumpenrisiko ausgesetzt ist.

Plattform für Zentralschweizer Unternehmen
Für die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ist es wichtig, ein Ansprechpartner für die verschiedenen Branchen und Firmen zu sein. Die Kammer versteht sich denn auch als die wichtigste Unternehmensplattform der Zentralschweiz. Sie richtet das noch junge Zentralschweizer Wirtschaftsforum aus, das für die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträger der Region bereits zu einem Fixpunkt geworden ist. Darüber hinaus organisiert die IHZ verschiedene Informations- und Networking-Veranstaltungen – und beschreitet dabei gerne auch neue Wege. Im Programm der IHZ fanden sich schon Anlässe mit dem Körpersprache-Experten Pietro Sassi oder ein Besuch auf dem Reiterhof, bei dem man sich dem Thema Führen auf ganz praktische Art und Weise widmete.

Daneben setzt sich die IHZ für gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen in der Zentralschweiz ein. Die Mitarbeit in verschiedenen Gremien, die Erarbeitung von Stellungnahmen, die Formulierung von Positionspapieren und die Vernetzung mit der regionalen Politik bilden den Kern der wirtschaftspolitischen Arbeit der IHZ. Im Fokus stehen dabei die Dossiers Verkehr, Bildung, Energie, Umweltschutz, Steuern und Abgaben, Arbeitsmarkt sowie Aussenhandel.

Exportwirtschaft: wichtiges Aktivitätsfeld
Nicht nur politisch ist der Aussenhandel zentral für die IHZ, auch operativ ist die Exportwirtschaft ein wichtiges Aktivitätsfeld für sie. Von den insgesamt 650 IHZ-Mitgliedern betreiben 50 bis 60 Prozent Aussenhandel. Die Kammer ist somit Anlaufstelle bei Fragen rund um Ursprungszeugnisse, Carnets ATA oder andere exportrelevante Dokumente. Sie bietet als Kompetenzzentrum zudem technische und rechtliche Schulungen an.

Die IHZ ist aber nicht nur Unternehmensplattform, wirtschaftspolitischer Akteur und Service-Zentrum bei Exportfragen, sondern fungiert auch als Informationsportal für Medien, Schulen und die interessierte Öffentlichkeit. «Wir möchten, dass die Menschen in der Zentralschweiz wirtschaftspolitische Zusammenhänge verstehen und den Nutzen und die Bedürfnisse einer marktwirtschaftlich organisierten Wirtschaft kennen», erklärt Felix Howald das Engagement der IHZ.

Ein Flaggschiff in diesem Bereich sind die «Wirtschaftswochen», welche die IHZ zusammen mit der Ernst-Schmidheiny-Stiftung an Zentralschweizer Mittelschulen durchführt. Im Rahmen dieser Projektwochen schlüpfen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in die Rolle von CEO und Managern. Ein Computerprogramm simuliert Markt und Unternehmen, während die Schülerinnen und Schüler interaktiv in die Szenarien eingreifen.

Luzerner Steuerstrategie verteidigen
Das Pensum der IHZ ist gross. Wie bringt die Kammer all ihre Aktivitäten unter einen Hut? «Ich kann auf ein tolles Team zurückgreifen», lobt Howald seine sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zugleich müsse man aber auch fokussiert bleiben. «Gerade angesichts der thematischen Breite unseres Wirkungsbereichs besteht die Gefahr, sich zu verzetteln.» Dass die IHZ eine schlagkräftige Organisation ist, hat aber nicht nur mit dem innovativen und dynamischen Spirit der Geschäftsstelle und der Führungsriege zu tun, sondern auch mit der Fusion der Zentralschweizerischen Handelskammer und der Luzerner Industrievereinigung vor zwei Jahren. Der Zusammenschluss bündelte Kräfte und machte die IHZ gewichtiger und sichtbarer als ihre Vorgängerorganisationen.

Substanz und Visibilität kann die IHZ gebrauchen. Neben der Innovationsstrategie der Zentralschweizer Kantone, der Konsultation zum Lehrplan 21, den Auswirkungen des Gotthard-Basistunnels auf die Zentralschweiz und der besseren Vermarktung der Berufsmaturität gibt es aktuell besonders ein Thema, das die IHZ beschäftigt: die Steuerstrategie des Kantons Luzern. Anfang 2012 halbierte der Kanton die Unternehmenssteuern. Die öffentliche Meinung über den Steuerschnitt ist geteilt. Felix Howald jedenfalls ist überzeugt, dass die Reform richtig war und Früchte tragen wird: «Obwohl die Kapital- und Gewinnsteuern um 50 Prozent gesenkt wurden, gingen die Einnahmen aus Unternehmenssteuern seither lediglich um 34 Prozent zurück. Dies allein zeigt, dass die Strategie funktioniert – der tiefe Steuersatz hat bereits neue Unternehmen angezogen.» Er und die IHZ wollen sich denn auch dafür einsetzen, dass Luzern die jetzige Steuerpolitik weiterverfolgt.

Auch auf nationaler Ebene sieht sich die IHZ derzeit gefordert – insbesondere im Hinblick auf die diversen Lohn- und Zuwanderungs-Initiativen sowie die Erbschaftssteuer-Initiative. «Hier ist es uns wichtig, ein guter Partner für die Wirtschaftsdachverbände sein. Schliesslich entscheiden sich auch die eidgenössischen Abstimmungen in den Kantonen.»

Weniger Luzern, mehr Zentralschweiz
Und welche Pläne hat die IHZ mittelfristig? «Wir wollen etwas weniger Luzern-lastig sein und noch mehr als Zentralschweizer Organisation agieren und wahrgenommen werden», beschreibt Howald eines der Ziele. Daneben wünscht sich der Direktor eine noch vertieftere Auseinandersetzung mit den relevanten Dossierthemen und mehr Schlagkraft – nicht zuletzt durch ein früheres Eingreifen in den politischen Entscheidungsprozess. «Dafür müssen wir vor allem das Monitoring verbessern und unser Netzwerk weiter ausbauen.»

Für die Zentralschweiz wünscht sich Howald, dass sie ein starker Wirtschaftsstandort und attraktiver Lebensraum bleibt. Die Zeichen stehen jedenfalls nicht schlecht, viele – gerade auch grössere – Zentralschweizer Unternehmen und Arbeitgeber fühlen sich der Region verpflichtet und sind sehr standorttreu. «Ich kenne einige Unternehmer, die sagen, die Zentralschweiz hätte ihnen so viel ermöglicht, dass sie ihr gerne etwas zurückgeben.»

Der Artikel erschien im Magazin «Schweizer Arbeitgeber» (10/2013).
Bild: myswitzerland.com

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